Erdogans Piratenstreich. Türken kehren in Libyens “Barbarei“ zurück

 

Caricature: © Markus Szyszkowitz

Von Heinz Gstrein

Österreich wird sich als erstem Auslandseinsatz nach Corona mit 15 Offizieren des Bundesheeres an der EU-Doppelmission „Irini“ beteiligen. Die soll ebenso das Einschleusen von Söldnern und Waffen nach Libyen stoppen wie aus diesem die Flüchtlingsroute übers Mittelmeer unter Kontrolle bringen. Wie dringend das ist, zeigte auf Pfingsten die Massakrierung von über 30 Migranten im tripolitanischen Mizda.

In Libyen kämpft eine politislamische, doch international anerkannte Regierung in der Hauptstadt Tripoli seit langem ums Überleben gegen die aus Osten vordringenden Truppen des säkular gesinnten Chalifa Haftar, einst Machtgefährte Gaddafis, zuletzt von Kairo, den Vereinigten Emiraten und Russen unterstützt. Die schickten aber nicht wie nach Afghanistan „Internationalisten“ der Staatsarmee, sondern Söldner der Oligarchenfirma „Gruppe Wagner“. Ihre Scharfschützen verhalfen Haftar zum Vormarsch bis in die Randviertel von Tripoli. Dann wendete sich aber im Lauf des Mai das Kriegsglück mit Eingreifen der Türkei. Die Wagner-Privatarmee war deren neuer Geheimwaffe, den Drohnen 1453 HB2, nicht gewachsen und wird heim nach Russland ausgeflogen. Beide Seiten haben sich vor diesem Hintergrund am Dienstag wieder verhandlungsbereit erkärt.

Fest steht, dass Recep Tayyip Erdogan in den bis 1912 türkischen „Barbareskenstaaten“ wieder fest Anker geworfen hat. Mit einem Piratenstreich, der im einstigen Seeräubernest Tripoli dem wankenden Gebieter Fayes al-Sarradsch als Gegenleistung für die militärische Rettung eine Seehoheit übers Mittelmeer abnötigte. Damit kontrolliert Ankara neben der Balkanroute auch den mediterranen Flüchtlingsweg. Erdogan will auf beiden Migrantenmassen gegen die Festung Europa loslassen. Zusätzlich hat er seine Kampfdrohnen, Schöpfung des zweiten Schwiegersohns, des Waffenkonstrukteurs Selcuk Bayraktar, entlang der EU-Evros-Grenze von Griechenland in Stellung gebracht.

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