Erdogans globales Konzept. Türkisierung von den Alpen bis zum Himalaya

 

Von Heinz Gstrein

Die Angriffe extremistischer Türken auf friedliche Kundgebungen und die Ordnungskräfte in Favoriten entwickeln sich zu Hauptthemen im Wiener Gemeinderatswahlkampf und der österreichischen Innenpolitik. Heute, Mittwoch, werden sich Integrationsministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP) mit Vertretern des Verfassungsschutzes sowie Integrations- und Islamexperten zu einem Runden Tisch treffen. Noch diese Woche sind auch türkische und kurdische Vereine zu einem Krisengespräch ins Kanzleramt geladen.

Die Ausschreitungen zeigen auf, welchen Einfluss die Türkei auf innere Angelegenheiten eines Staates nehmen kann. Die Schläger im 10. Bezirk warfen nicht nur Steine auf winselnde Polizeihunde, sie zeigten auch den in Österreich seit 2019 verbotenen „Wolfsgruss“ mit ausgestrecktem Daumen und kleinen Finger. Damit wollen diese „Grauen Wölfe“ weniger die Ohren ihres reißenden Symboltiers darstellen. Nach eigener Erklärung hat er zu bedeuten: „Wir werden den Türkisch-Islamischen Stempel der Welt aufdrücken.“

Die ultratürkistische, rechtsextreme und islamistische Wolfsbewegung ist also von Haus aus auf Weltherrschaft ausgerichtet. Das kommt auch im Fahneneid ihres Jungvolks zum Ausdruck, der die Neumitglieder auf Kampf für ein Großtürkisches, „Turanistisches“ Reich von Europa bis Zentralasien einschwört. Nach außen gibt man sich friedlich und ideal, nicht zufällig nennen sich die Wölfe offiziell „Idealisten“.

Auch in Österreich sind die „Grauen Wölfe“ bei Straßenschlachten, nicht aber im Vereinsregister präsent. Sie verbergen sich hinter Vorhutorganisationen. So treten sie europaweit als „Türkische Föderation“, zum Teil in Österreich unter dem Decknamen „Avrasya“ auf. In der Türkei kontrollieren die „Grauen Wölfe“ ideologisch und personell die „Partei der nationalistischen Bewegung“ (MHP), die einen Faktor des Regimes von Machthaber Recep Tayyip Erdogan darstellt. Mit dessen voller Unterstützung ist es gelungen, bei den Auslandstürken fast alle jungen Männer zu radikalisieren.

In der Türkei selbst sieht das ganz anders aus. Wenn jetzt österreichische Politiker meinen, „Favoriten sei wie ein Teil Ankaras“, trifft das für die dortige Jugend gar nicht zu. Nur in Trabzon am Schwarzen Meer liegt ein Brutnest der Grauen Wölfe. Sonst zeigt sich die unter ständiger Herrschaft Erdogans aufgewachsene junge Generation seinetwegen recht politikverdrossen. Die in diesen Tagen geplante Moscheeisierung der Hagia Sophia soll sie neu begeistern und mobilisieren.

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