Türkisches Feindbild Österreich

 

Chef von Ankaras Diplomatie als Propagandaminister

 

Von Heinz Gstrein

Die türkische Sonntagspresse hat den heftigen Twitterangriff von Außenminister Mevlüt Cavusoglu auf Bundeskanzler Sebastian Kurz auf ihren Titelseiten breit ausgewalzt. Das Präsident Recep Tayyip Erdogan nahestehende Massenblatt „Sabah“ (Der Morgen) brachte die auch sonst wo zitierten Vorwürfe einer „abstoßenden Politik“ und „kranken Denkweise“ des österreichischen Bundeskanzlers und fügte das Zitat hinzu: „Die von Sebastian Kurz vertretene schiefe Ideologie stellt die Hauptbedrohung der EU und ihrer Werte dar.“ Die Zeitung kommentiert im Weiteren: „Der rechtsradikale Kurz ist für seine anti-türkische und islamfeindliche Haltung bekannt, die durch verschiedene die Muslime in seinem Land treffende Maßnahmen wieder hoch gekommen ist.“

Das sind im diplomatischen Umgang von Staaten miteinander ungewohnt harte Bandagen. Auch der Botschafter Ankaras in Wien, Ozan Ceyhun, sprach tags zuvor trotz der Krise um die Vorfälle in Favoriten, das türkische Agentennetz in Österreich und dessen klarer Ablehnung von Expansionsgelüsten der Türkei im Mittelmeer noch von „sehr wertvollen“ Beziehungen. Was Cavusoglu angeht, scheint aber das Verhältnis der Türken zu Wien auf dem Tiefpunkt von 1683 angelangt zu sein, als die Donaustadt vom Sultan belagert wurde.

Heute stehen sich am griechischen Grenzfluß Evros/Meric, einer Außengrenze der EU, im Rahmen der FRONTEX Cobra-Polizisten und türkische Jandarma gegenüber. Innenminister Karl Nehammer hat den Griechen bei seinem Augustbesuch notfalls mehr Waffenhilfe zugesagt. Dieser Ernstfall einer neuen Migrantenwelle, dem die Türkei sogar mit Panzern Nachdruck verleihen will, steht nach Einschätzung des griechischen Migrationsministers Notis Mitarakis unmittelbar bevor.

Österreicher in Uniform an den Drahtverhauen des Evros, das passt genau ins Bild einer rundum von Feinden bedrohten Türkei. Einer Durchhaltevision, mit der Erdogan die Schuld am Verfall der auf bald ein Zehntel ihres früheren Wertes gepurzelten Lira und dem drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch einer Verschwörung des Auslands zuschieben will.

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