Soumelas: Marienfeiertag ohne Patriarch Bartholomaios I

Von Heinz Gstrein

Trapezunt (Trabzon).- Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel wird nicht am 15. August dem Festgottesdienst im renovierten Maria-Himmelfahrts-Konvent von Soumelas in der Nordosttürkei vorstehen. Das ist Ergebnis eines mehrtägigen Tauziehens zwischen Ökumenischem Patriarchat und den türkischen Behörden, in das sogar Präsident Recep Tayyip Erdogan persönlich eingegriffen hat. Das altchristliche Felsenkloster war durch zwei Jahrtausende religiöser Mittelpunkt für orthodoxe Schwarzmeergriechen, Georgier, Kuban-Ukrainer und Kaukasusrussen. 1924 verwaiste es aber im Zug von Vertreibung aller Christen aus der asiatischen Türkei und blieb Jahrzehnte lang dem Verfall preisgegeben. Erst vor zwanzig Jahren wurden die Ruinen für Touristen zugänglich gemacht, zwischen 2010 und 2014 dem Ökumenischen Patriarchen ein Gottesdienst am Hochfest von Soumelas gestattet. Dazu fanden sich auch Bischöfe aus Griechenland und der Russischen Föderation mit zahlreichen Pilgern ein. In den letzten fünf Jahren wurden die Klosterreste gegen Steinschlag und Erdrutsch abgesichert. Das türkische Fremdenverkehrsministerium gab seine Wiedereröffnung für Besucher, doch nicht für religiöse Handlungen, für den 28. Juli bekannt. Dennoch suchte Bartholomaios bei den Provinzbehörden im nahen Trabzon um Genehmigung für eine Liturgiefeier an diesem 15. August an. Diese wurde ihm verweigert, doch erklärte Erdogan dann telefonisch, dass „türkische Bürger einen Gottesdienst halten dürften“. Diese Formulierung schloss Orthodoxe griechischer, georgischer und russischer Staatsbürgerschaft sowie den Patriarchen selbst von der Feier aus. Bartholomaios beauftragte darauf seinen Generalvikar, Metropolit Stephanos Danidis von Kallioupolis mit Leitung der Feierlichkeiten. Er ist türkischer Untertan von den Prinzeninseln bei Istanbul. Seine beiden Ko-Zelebranten werden Metropolit Maximos Vgenopoulos von Silivri am Marmarameer – selbst aus dem griechischen Patras gebürtig, doch schon seit den 1980er Jahren im Phanar – und der alexandrinische Metropolit von Zambia sein, Ioannis Tsaftaridis. Seine Vorfahren waren „pontische“ Schwarzmeergriechen aus der Nachbarschaft des Marienheiligtums von Soumelas.

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