‘Αρθρα Οικουμενικό Πατριαρχείο

Kommunion nach Corona und Hagia Sophia

Schwierige Pfingsten für Bartholomaios und die Orthodoxie

 

Von Heinz Gstrein

Istanbul. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat in seiner ersten öffentlichen Predigt nach Abklingen der Corona-Pandemie das Fortwirken des Heiligen Geistes in der Kirche betont und die führende Sonderstellung des Patriarchats von Konstantinopel in Orthodoxie und Christenheit auf jenes zurückgeführt. Diese Positionierung erfolgte am ostkirchlichen Pfingstmontag, dem 8. Juni, an dem das Fest des Heiligen Geistes gefeiert wird, vor dem Hintergrund neuester Bemühungen um Überwindung der Uneinigkeit in der orthodoxen Kirchenfamilie seit der ukrainischen Autokephalie.

Bartholomaios hatte sich am 1. Juni mit einem Schreiben an alle seine Amtsbrüder an der Spitze von Patriarchaten und selbständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen gewandt, auch an den Patriarchen von Moskau, der die kirchliche Gemeinschaft mit ihm wegen der Ukraine unterbrochen hat. Anlass dafür war die unterschiedliche Grundhaltung und Praxis, die verschiedene Kirchenzentren, aber auch einzelne Diözesen zur Spendung der Eucharistie auf eine hygienischere Weise als bisher an den Tag legen. Seit über 1000 Jahren hat sich in der Orthodoxie die Darreichung von Brot und Wein aus einem Kelch mit ein und demselben vergoldeten Löffel für alle eingebürgert. Dagegen richten sich seit Corona staatliche Verbote, worauf die orthodoxe US-Diaspora mit Metall-Löffelchen für jeden Kommunizierenden reagiert, in Österreich auf eine altkirchliche Form getrennter Konsekration und Spendung der eucharistischen Gestalten zurückgegriffen wird. Andere, wie Metropolit Augoustinos Lambardakis von Deutschland, wollen überhaupt einen orthodoxen Konsens abwarten. Dieser wird umso schwieriger, als slawische Kirchen, aber auch konservative Orthodoxe in Griechenland, die „Löffelspendung“ als etwas „unaufgebbar Orthodoxes“ ansehen und überhaupt die Meinung vertreten, dass der göttliche Charakter der Eucharistie jeden Krankheitskeim zunichte mache.

Eine Einigung darüber muss aber versucht werden, was der Ökumenische Patriarch nun getan hat. Zugleich bietet sein Rundschreiben auch den mit ihm über der Ukraine Verfeindeten – so außer Kyrill von Moskau auch dem Jerusalemer und dem serbischen Patriarchen – Gelegenheit, sich in dieser kirchenpolitisch unbelasteten Frage Konstantinopel wieder anzunähern.

Der Außenamtsleiter der russischen Kirche, Metropolit Hilarion Alfeev von Volokalamsk, hat das bereits in einem anderen Zusammenhang getan. So interpretieren und begrüßen Kreise des Phanars jedenfalls sein energisches Auftreten gegen die Verwandlung der Istanbuler Museumskirche „Hagia Sophia“ in eine Moschee. Dazu hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach jahrelangen Andeutungen jetzt die endgültige Weisung zur Vorbereitung von einem „Statuswechsel“ des Heiligtums gegeben. Das berichtete die letzte noch einigermaßen unabhängige Zeitung „Hürriyet“ (Freiheit) am 5. Juni. Diese Meldung hat gesamtchristlich große Bestürzung ausgelöst. Der erste massive Protest kam aus Moskau: Millionen gläubigen Russinnen und Russen könne es nicht gleichgütig sein, wenn die Kirche, wo ihre „apostelgleiche“ hl. Olga getauft wurde, wieder wie unter den Sultanen zur Moschee würde. Der Plan Erdogans stelle – so Metropolit Hilarion – eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben von Religionen und Völkern dar – zitiert ihn Istanbuls griechische Tageszeitung „Apogevmatini“ (Nachmittag).

Das Ökumenische Patriarchat, von dem die Hagia Sophia als „Große Kirche“ nach wie vor im Titel geführt wird, hat sich offiziell noch nicht zur konkreten Gefahr ihrer „Moscheeisierung“ geäußert. Doch rief Bartholomaios in seiner Pfingstpredigt den Heiligen Geist „um Schutz und Beistand in heraufziehenden Gefahren“ an. Er tat dies in der orthodoxen Dreifaltigkeitskirche im Stadtteil Beyoglu. Diese beherschte bisher den zentralen Taksim-Platz, wird aber jetzt von einem mächtigen Moscheebau Erdogans überschattet. Gegen diesen und andere „Osmanisierungs“-Projekte hatten sich im Frühsommer 2013 die „Gezi-Proteste“ von Umweltschützern gerichtet. Für den türkischen Machthaber war das damals der Anstoss, seine bis dahin eher liberal-fortschrittliche Herrschaft in ein ausuferndes Unterdrückungssystem zu verwandeln.

 

Photo: Press & Communication Office / Ecumenical Patriarchate

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