Depardieu wurde orthodox zum ersten Mal getauft

 

 von Heinz Gstrein                                                      

Paris. Die orthodoxe Taufe des prominenten französischen Schauspielers Gérard Depardieu in der exilrussischen Kathedrale von Paris hat großes Aufsehen erregt und vor allem eine Frage aufgeworfen: Wieso wurde der allgemein als katholisch geltende Depardieu durch Erzbischof Jean Renneteau von Dubno nicht durch einfaches Glaubensbekenntnis in die Orthodoxie aufgenommen, wie das allgemein und besonders bei allen russischen Kirchen in der Heimat wie im Ausland üblich ist? Eine Wiedertaufe von schon getauften Konvertiten aus anderen christlichen Konfessionen ist nur am Berg Athos sowie in ultra-orthodoxen Kreisen von Griechenland und auf Zypern üblich. Wie dazu aus dem Erzbistum für die Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa verlautet, wurde der Fall Depardieu vor seiner Taufe genau geprüft. Obwohl er wegen seiner bekannten Verehrung für den hl. Augustinus allgemein als Katholik gilt, hat Depardieu nie der katholischen Kirche angehört. Seine Eltern waren antiklerikale Arbeiter und zudem Analphabeten. Sein Vater ließ ihn nicht taufen, gab ihm selbst den Namen Gérard, weil G der einzige Buchstabe war, den er schreiben konnte. Hätte allein das schon die orthodoxe Taufe nötig gemacht, so ergab sich noch ein weiterer Grund: Depardieu war 1967 als Neunzehnjähriger Muslim geworden und hatte zwei Jahre der Pariser Moscheegemeinde angehört. Wenn er den islamischen Glauben auch später nicht mehr praktizierte, fordert auch in diesem Fall das orthodoxe Kirchenrecht seine Taufe. Was die Beweggründe von Depardieu betrifft, sich ausgerechnet der russischen Form der Orthodoxie zuzuwenden, wurde eindeutig festgestellt, dass es sich um ein tief religiöses Anliegen handelt. Zu Unrecht sei behauptet worden, dass damit der Schauspieler nur seine als französischer Steuerflüchtling erworbene russische Staatsbürgerschaft und die Freundschaft mit Präsident Wladimir Putin unterstreichen wollte.

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