Unaufhaltbare Taliban

Afghan militiamen join Afghan defense and security forces during a gathering in Kabul, Afghanistan, Wednesday, June 23, 2021. Afghanistan's defense ministry is working with warlords to mobilize local militias across the country, most particularly in the north, to try to stem the tide of the latest Taliban gains. Several key districts in the north of the country have fallen to the Taliban. (AP Photo/Rahmat Gul)

 

Wer kommt nach Afghanistan an die Reihe?

 

Von Heinz Gstrein

Noch ehe die letzten amerikanischen Soldaten Ende August Afghanistan

verlassen, bricht dort die in ihrem Schutz etablierte und aufrechterhaltene „demokratische Ordnung“ zusammen. Für sie hatten im Auftrag von NATO und UNO auch italienische und deutsche Einheiten sowie einige Offiziere und Soldaten von Österreichs Bundesheer den Kopf hingehalten. Inzwischen kontrollierten die politislamischen Taliban schon wieder drei Viertel des Landes, d.h. seine schwer zugänglichen Gebirgsregionen. Jetzt fallen an sie auch wichtige Grenzübergänge nach Iran und Turkmenistan, Regierungstruppen bringen sich über den Amu Darja nach Tadschikistan in Sicherheit. Eine langfristige Schutzgarantie will die NATO nur für den Flughafen von Kabul hinterlassen. Zu diesem Himmelfahrtskommando haben einzig die Türken Bereitschaft erklärt. Ihr Erdogan will seinen angekratzten Ruf bei den Amis aufpolieren.

In der Hauptstadt fühlt sich Präsident Aschraf Ghani vom Westen verkauft und verraten. Das Nachrichtenportal seiner Paschtunen, Penawa, vergleicht den US-Abzug aus Afghanistan mit dem amerikanischen „Verrat an Südvietnam“ 1975. In Kabuler Diplomatenkreisen wird allerdings betont, dass sich das korrupte Regime von Ghani genauso wenig wie das seines Vorgängers Hamid Karzai einfach nicht halten ließ. Ob mit oder ohne Amerikaner: Die Durchsetzung der Taliban war einfach vorprogrammiert!

Afghanistan fällt ihnen nun anheim, wer aber werden die nächsten sein? In Moskau haben die Taliban durchaus glaubwürdig Putin zugesichert, dass sie keine Ambitionen mehr in seine Richtung haben wie einst gegen die gottlosen Sowjets. Vom Kaukasus bis Zentralasien regieren heute selbst islamische Regime. Doch der östliche Nachbar Pakistan, wo die Taliban schon stark vertreten sind, verspricht eine reife Beute. Und weiter Abermillionen indischer Muslime, die von der Hindu-Führung immer stärker bedrängt werden. Dieser zweite, westlich-islamistische Machtkampf um Afghanistan ab 2001 wird an seinen Grenzen nicht zu Ende sein!