Türkischen Christen wird Hagia-Sophia-Moschee aufgedrängt

Verwirrspiel um die „Zustimmung“ katholischer Bischöfe

Von Heinz Gstrein

Istanbul. Eine Erklärung „katholischer Bischöfe“ der Türkei zur Rückwidmung des Museums der Hagia Sophia in eine Moschee sorgt in griechisch-orthodoxen Netzwerken für Aufsehen und Empörung. Wie der Korrespondent von orthodoxia.info, Zachos Karaklas, und unabhängig von ihm die weit verbreitete Athener Kirchen-Agentur romfea.gr. unter Berufung auf das zyprische sigmalive.com berichten, haben „katholische Bischöfe“ in der Türkei zur geplanten Umwandlung der seit 1934 als säkulares Museum dienenden Hagia Sophia in eine Moschee Stellung genommen: Sie würden zwar die Beibehaltung ihres gegenwärtigen Status begrüßen, doch hätten weder sie noch jemand anderer das Recht, eine diesbezügliche Entscheidung der türkischen Obrigkeit zu kritisieren oder anzufechten. Der Status der Hagia Sophia ginge nur die Türkei etwas an. Bisher hatte der Plan zur „Moscheeisierung“ der Hagia Sophia orthodoxen Einspruch aus Moskau und Athen sowie breite internationale Kritik ausgelöst.

Istanbuls armenischer Patriarch Sahak II. hat Anfang Juni eine Wiederherstellung des religiösen Charakters der ursprünglichen (539-1453) Sophienkirche, die dann 1453 bis 1934 als Moschee dienen musste, als Gotteshaus für Muslime und Christen angeregt (öki 25 vom 16. Juni 2020, Seite 10). Seine Stellungnahme wurde sichtlich von den türkischen Behörden „angefordert“, wobei er sich aber geschickt mit seinem Vorschlag einer Doppelrolle aus der Affäre zog.  Ähnliche Solidaitätsbotschaftxen waren allen christlichen Kirchenoberhäuptern und dem Oberrabbiner von Istanbul schon zur Verurteilung des Anti-Erdogan-Putsches von 2016 und zur Segnung der türkischen Waffen bei den jüngsten Invasionen in Syrien abverlangt worden. So wurden auch jetzt nach den Armeniern auch von den anderen religiösen Minderheiten der Türkei positive Erklärungen in Sachen „Ayasophiya“ erwartet.

Was die Katholiken betrifft, wird ihre sechsköpfige Bischofskonferenz aus drei römisch-katholischen Ordinarien, von denen in Istanbul der mexikanische Franziskaner Rubén Tierrablanca González auch für das griechisch-katholische Exarchat zuständig ist, sowie je einem armenisch-, syrisch- und chaldäischen Erz- bzw. Chorbischof von der Türkei nicht öffentlich-rechtlich anerkannt. Auf ihr Ersuchen hin wurde daher Dr. Otmar Oehring vom Missionswerk „missio“ in Aachen zum Anwalt der katholischen Kirchen in der Türkei berufen. In dieser Funktion setzt er sich bei den europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und den europäischen Institutionen für die Interessen und die den türkischen Katholiken vorenthaltenen Rechte ein.

Wenn daher Zweifel, die inzwischen aus Athen gegen die Tatsache ihrer Erklärung zur Hagia Sophia laut geworden sind, als Beweis dafür die unverbindliche Angabe „katholische Bischöfe“ ins Treffen führen, so entspricht diese nur der türkischen Rechtslage. Blogger Ioannis Orfanoudakis-Foskolos, seines Zeichens Kommunalpolitiker im Athener Vorort Zografou und Student der orthodoxen Theologie in Saloniki, aber auch vom katholischen „Weltorden“ Ordo Franciscanus Saecularis (OFS) behauptet weiter, „diese Bischöfe“ hätten ihm gegenüber nun jede Erklärung zur Hagia Sophia in Abrede gestellt.

Also viel Lärm um nichts oder Versteckenspiel bei einer von Machthaber Recep Tayyip Erdogan der katholischen Hierarchie tatsächlich abgezwungenen Solidaritätskundgebung für seine zum 15. Juli erwartete Moscheerückwandlung der einst größten Kirche der Christenheit. Mehr Klarheit werden erst die noch erwarteten Antworten der Syrisch-Orthodoxen Kirche und vor allem des Ökumenischen Patriarchats bringen, deren Einforderung nach zuverlässsigen Informationen längst erfolgt ist, aber von ihren ratlosen Empfängern hinausgezögert wird.

 

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