Griechische Orthodoxie und Corona: Auch 2021 ein Jahr des Heils!

 

Doch auf Zypern Bedenken: Impfung verändert Menschen genetisch

Von Heinz Gstrein

Athen/Nikosia. Mit dem Tod eines führenden Bischofs im Alter von nur 61 Jahren am 29. Dezember hat die Corona-Pandemie eine empfindliche Lücke in den Episkopat der Orthodoxen Kirche von Griechenland gerissen: Metropolit Seraphim Papakostas von Kastoria, einer bekannten griechisch-mazedonischen Kürschnerstadt, leitete seit 1996 eine der vom Ökumenischen Patriarchat der griechischen Kirche angegliederten Diözesen, war aber auch einer der Hauptwortführer für die Aufnahme guter und enger Beziehungen zwischen der griechischen und der russischen Orthodoxie nach der Wende. Im zwischen Griechenlands Bischöfen leidenschaftlich ausgetragenen Streit um die ukrainische Autokephalie wurde der Metropolit als eine der wenigen versöhnlichen Stimmen geschätzt. Ihr Verstummen lässt eine weitere Verhärtung der Fronten befürchten.

Auch sonst greift die Covid-Seuche im orthodoxen Griechenland weiter um sich. Auf der Insel Kalymnos, einst für ihre Schwammtaucher berühmt, ist fast die gesamte Bevölkerung von dem Virus befallen. Patriarch Bartholomaios I., der für Kalymnos mit den anderen Inseln der Dodekanes direkt zuständig ist, hat daher ein Trostschreiben an seine dortigen Gläubigen gerichtet.

Inzwischen überlagern in der griechischen Orthodoxie die Meinungsverschiedenheiten zur Corona-Pandemie und neuerdings auch zur Covid-Impfung zunehmend den weitergehenden Streit um die ukrainische Autokephalie. Weihnachten, das alle Orthodoxen mit Ausnahme von Russen, Ukrainern, Serben, Georgiern und dem Patriarchat Jerusalem mit der übrigen christlichen Welt am 25. Dezember feiern, musste in Griechenland und auf Zypern unter harten Corona-Einschränkungen der staatlichen Behörden begangen werden. Noch härtere stehen am 6. Januar für Epiphanie bevor. Da muss auch auf die übliche Wasserweihe verzichtet werden, bei der die Jugend nach einem ins Meer oder andere Gewässer geworfenen Kreuz zu tauchen pflegt. Der Hl. Synod hat sich daher am 4. Januar in Athen zu einer Sondersitzung versammelt, um die wegen des Wasserweihe-Verbots aufgebrachten Gemüter zu beruhigen.

Auch sonst haben in Griechenland und auf Zypern Bischöfe, Kleriker und Gläubige viel an den staatlichen Corona-Maßnahmen auszusetzen. Vor allem an den rigorosen Teilnahmeregeln für die Festgottesdienste. Pfarrer haben schon ausgerechnet, dass mit der Beschränkung auf 25, nur in großen Gotteshäusern 50 Kirchgänger, der Ertrag auf den Kollektentellern nie für die feiertäglichen Beleuchtungs-, Heiz- und sonstigen Kosten auslangen wird. Den orthodoxen Gemeinden, für die kein fester Kirchenbeitrag eingehoben wird, droht durch die lange Pandemie auch allgemein extreme Verarmung.

Neu aufgeflammt ist auch die Diskussion darüber, ob beim Empfang des eucharistischen Weines und Brotes für jeden verschiedene Plastiklöffel verwendet werden dürfen oder am überlieferten vergoldeten Löffel für alle festgehalten werden muss. Weihnachten ist ein bevorzugter orthodoxer Abendmahlstermin wie die Osterkommunion bei den Katholiken. Viele waren aus Angst vor Ansteckung dem „Tisch des Herrn“ ferngeblieben.

Auf Zypern lobte daher Metropolit Neophytos Masouras von Morphou die Weihnachtskommunion in Corona-Zeiten als „Glaubenszeugnis“. Nicht nur als tapfere Furchtlosigkeit inmitten der Covid-Seuche: auch als Zeichen des Protestes gegen die Verhängung „übertriebener Maßnahmen“. Aus der russischen Eremitage zum Hl. Serafim von Sarow an der Zonengrenze zum türkisch besetzten Zypern – dort liegt sein seit 1974 verlassener Bischofssitz – rief Masouras die Gläubigen zu neuerlichem Empfang der hl. Eucharistie an Epiphanie auf.

Zur Corona-Impfung äußert sich hingegen der auch sonst konservative Metropolit strikt ablehnend: „Zur Covid-Impfung sage ich Euch: Neophytos von Morphou lässt sich nicht impfen! Euch möge Gott erleuchten, das Richtige zu tun.“ Dass er das Impfen jedenfalls für das Falsche hält, stellt Neophytos ganz drastisch fest: „Ich werde kein genetisch verändertes Produkt einer neuen Weltordnung, kein Mutant! Wie gewisse Tomaten, die wir Sommer und Winter aufgetischt bekommen, krank und geschmacklos… So droht auch die Schöpfung zu werden: Angekränkelt und ohne Gehalt.“

Inzwischen war aber Zyperns Erzbischof Chrysostomos II. mit gutem Beispiel vorangegangen: Er ließ sich am 29. Dezember im Beisein von Gesundheitsminister Konstantinos Ioannou impfen und rief alle orthodoxen Gläubigen auf, „sich nicht zu fürchten und es ihm gleich zu tun.“  Die anderen griechischen Erzbischöfe Hieronymos Liapis von Athen und Anastasios von Tirana konnten auf eine Impfung verzichten, da sie die Corona-Erkrankung schon überstanden haben.

Metropolit Pavlos Papalexiou im nordgriechischen Kozani begrüßt die Corona-Impfung als „Gottesgeschenk“. In seiner Neujahrspredigt sprach er das Vertrauen aus, dass 2021 ein Jahr des Sieges über das Covid-Virus sein wird. Impf-Kritiker bezeichnete er hingegen, ob Laien oder Kleriker, als „fanatische Zeloten“.

Schon zu Weihnachten hatte sein Amtsbruder, der auch sonst besonnene Metropolit Ignatios Georgakopoulos von Dimitrias, aus der mittelgriechischen Hafenstadt Volos vor religiös verbrämter Corona-Hysterie gewarnt: „Lasst euch nicht die Weihnachtsfreude verderben! Es wird kein schwarzes Fest von Christi Geburt werden! Nur ein anderes…“

In dieselbe zuversichtliche Richtung wies dann auch die Neujahrsbotschaft von Metropolit Symeon Koutsas, einem in Paris ausgebildeten und in Straßburg promovierten Patrologen, seit 2002 Bischof der Athener Vorstadt Nea Smyrni. Er rief seine Zuhörer auf, Angst und Pessimismus zu überwinden: „Jedes neue Jahr, das beginnt, ist ein Jahr des Heiles!“.