Erdogan und Hamas im Visier

Zusammenspiel Israel – Emirate nimmt Gestalt an

Von Heinz Gstrein

Zehn Tage nach dem Vorabkommen für Normalisierung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel liegen Auswirkungen und Bedeutung klar auf der Hand. Was zunächst nur als Vorzeigerfolg für Donald Trump im US-Wahlkampf angesehen wurde, erweist sich als wohlüberlegter Schachzug zum Aufbau einer breiten Front gegen das sich formierende Islamistenlager im Orient. Die türkische Tageszeitung „Sabah“ (Der Morgen) spricht in ihrer Wochenendausgabe von einer „assymetrischen Allianz“, die sich sowohl gegen Iran und die Türkei wie die politislamischen Hamas-Palästinenser richtet.

Der Palästina-Konflikt mit Israel ist schon spätestens seit dem Arabischen Frühling mit seinen Umstürzen und Bürgerkriegen kein vorrangiges Anliegen der Araber mehr. 1977 war für Ägyptens Anwar as-Sadat sein Flug nach Jerusalem ein gewagtes Unterfangen, das ihn schließlich sogar das Leben gekostet hat. Jetzt hat Abu Dhabis mächtiger Kronprinz und Gesamtmachthaber der Emirate, Muhammad Bin Zayed, nur ein abgelebtes Tabu gebrochen. Die arabische Welt wird ihm früher oder später folgen, wie schon jetzt der Beifall des Nachbarn Oman und die Absichtserklärung Sudans zeigen, sein Beispiel zu übernehmen. Khartum hatte schon 1984/85 bei der „Operation Moses“ zur Evakuierung von äthiopischen Juden mit Israel zusammengearbeitet.

Saudi-Arabien war selbst an einem Ausgleich mit Israel interessiert, ist aber nun von seinem kleinen Golf-Rivalen überrundet worden. Auch im Jemen, wo Riad und Abu Dhabi offiziell Verbündete sind, hat sich letzteres schon seinen eigenen Einflussbereich um Aden und auf der Insel Sokotra gesichert.

Die nicht nur dort, sondern bis Libyen militärisch expansiven Emirate wollen sich durch ihr Zusammengehen mit Israel Rüstungsgüter und -Knowhow sichern. Das liegt in ihrem ureigensten Interesse, mag Jerusalem erste Lieferungen auch noch dementiert haben. Waffen und Ausbilder braucht Muhammad Bin Zayed nicht nur zur Absicherung gegen die schon unter dem Schah manifesten iranischen Gelüste, am südlichen Golfufer Fuß zu fassen. In Abi Dhabi wird auch die wachsende türkische Truppenpräsenz beim feindlichen Nachbarn Katar überaus ernst genommen.

Die Türkei steht auch neben der Islamischen Republik Iran heute als einzige hinter den Palästinensern und hat das Zusammengehen der Emirate mit Israel am schärfsten verurteilt. Während der Großmufti von Jerusalem, Muhammad Hussein, Amts- und Gesinnungsnachfolger eines mit Hitler verbündeten Namensvetters, jetzt Muslime aus den Emiraten vom Gebet in der Al-Aqsa-Moschee ausschließt, will Präsident Recep Tayyip Erdogan diese nach seiner Moscheeisierung der Hagia Sophia als nächste „befreien“. In  türkischen Geheimdienstberichten ist von Agenten aus Abu Dhabi die Rede, die in Istanbul und Ankara auf Exilpalästinenser Jagd machen.

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