Dauerbrenner Bergkarabach

 

Aserbaidschan kann ohne Erfolg nicht mehr aufhören

 

Von Heinz Gstrein

Der bewaffnete Konflikt um Bergkarabach oder Arzach – wie es die Armenier nennen – geht in seine vierte Woche. Er wird nach zwei vereinbarten, doch gebrochenen Feuereinstellungen zum Dauerbrenner im Kaukasus. Aserbaidschan, das Ende September zur Rückeroberung des seit den frühen 1990er Jahren rebellierenden autonomen Gebiets angetreten war, kann erst aufhören, wenn dieses sein „Herbstmanöver“ gewisse Bodengewinne gebracht hat. Zumindest in jenen Gebieten, die nicht zu Karabach gehören, aber seit 1994 besetzt sind, um den Zusammenhalt dieser Bergfestung mit der Republik Armenien zu gewährleisten.

Bei einem Rückzieher würde der Staatschef in Baku, Ilham Alijew, für ihn gefährlich an Gesicht verlieren. Er hat den über 600 000 Flüchtlingen aus Karabach und dessen Umgebung – fast ein Zwölftel seiner Gesamtbevölkerung – diesmal die Rückkehr versprochen. Sie werden schon bis zu 20 Jahre lang in Aserbaidschan nicht integriert, um den Konflikt am Schwelen zu halten. In dem sonst reichen Ölstaat vegetieren sie auf elende Weise, werden sich gegen das Alijew-Regime erheben, wenn es ihnen nicht die verkündete Heimkehr freikämpft.

Dazu kommt noch ein zweiter destabilisierender Faktor. Aserbaidschan wurde offenkundig aus Ankara zu diesem Vorstoß verleitet. Seine politische und auch militärische Unterstützung durch Recep Tayyip Erdogan hat aber ihren Preis. Von der Achse mit dem türkischen Islamisierer profitieren in Baku die seit 1995 in den Untergrund verbannten Politmuslime. Die „Islamische Partei“ und jene für den „Islamischen Fortschritt“ sind in der jahrelangen Versenkung nur stärker geworden, die Tarnorganisation der „Freien Geistlichen“ (Azad Ruhaniler) kontrolliert heute fast alle Moscheen. So kann sich der sonst wie sein Vater Haidar säkuläre Alijew jun. ein Einlenken in Karabach gar nicht leisten, ohne im Inneren, von der Türkei und nicht zuletzt vom Nachbarn Iran als Verräter an der heiligen Sache des Islam den armenischen „Kreuzrittern“ gegenüber gebrandmarkt zu werden.

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