Biden-Ohrfeige für Erdogan

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Armenier-Genozid war in Türkei nicht der einzige

 

Von Heinz Gstrein

US-Präsident Joe Biden hat das Morden in der Türkei an den Armeniern zwischen 1915 und 1923 als geplanten Genozid und nicht als „Kriegshandlungen“ eingestuft, wie das Ankara notorisch und zuletzt wieder mit Vehemenz der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan behauptet. Nicht zufällig hat Biden für diese Festlegung den 24. April gewählt: An diesem Tag wurden 1915 in Istanbul 235 führende Armenier, fast die gesamte „Intelligenz“ verhaftet, verschleppt und schließlich ermordet. Diese Aktion als Auftakt zum „Abtransport“ der gesamten armenischen Bevölkerung in die Vernichtungswüste am Euphrat gilt als klarer Beweis für den Entschluss der damaligen türkischen Führung zur planmäßigen ethnischen Säuberung        .

Erdogan seinem amerikanischen Amtskollegen noch nicht persönlich geantwortet. Zwar sind der US-Genozid-Anerkennung schon über 20 derartige Voten vorausgegangen, 2016 auch durch den Deutschen Bundestag. Die Festlegung Bidens zu einem auch sonst für die US-türkischen Beziehungen kritischen Zeitpunkt kam für Erdogan jedoch als besonders schwerer Schlag und hat ihm die Sprache verschlagen. So schob er den armenischen Patriarchen in Istanbul vor, Sahak Maschalian. Der musste die amerikanische Erklärung als „aktuellen politischen Missbrauch von alten Ereignissen“ verurteilen. Das zitieren nun alle türkischen Medien. Auch Aussenminister Mevlüt Cavusoglu äußerte sich in diesem Sinn. Sogar die Juden der Türkei sahen sich genötigt, Partei zu ergreifen: Ihr Groß-Rabbinat gab eine Unterstützungserklärung für Erdogan ab. Sie hatten weitgehend, aber später dasselbe Los wie die Armenier erlitten. In den 1930er Jahren wurden sie aus der Europäischen Türkei hinauspogromiert, kamen aus Istanbul ab 1942 in das Steinbruch-KZ von Askale.

Allerdings ist nicht zu übersehen, dass die US-Verurteilung in der Türkei, wo sich fast alle in der Billigung oder zumindest Beschönigung der Armenier-Ausrottung einig sind, innenpolitisch Erdogan den Rücken stärkt. Die ganze Opposition hat sich schon gegen Biden an seine Seite gestellt, die Minderheitenpartei HDP ausgenommen. Von dem Genozid waren ja auch aramäische und griechische Christen betroffen. Aus Athen ruft daher die Γενικός Γραμματέας της Διακοινοβουλευτικής Συνέλευσης Ορθοδοξίας (ΔΣΟ), βουλευτής Λαρίσης της Νέας Δημοκρατίας, κ. Μάξιμος Χαρακόπουλος, σε δήλωσή του για την Ημέρα Μνήμης της Γενοκτονίας των Αρμενίων.

Internationale Union orthodoxer Parlamentarier jetzt die USA auf, auch deren Massenmord beim richtigen Namen zu nennen. Außenpolitisch rutscht die Türkei so erst recht in die Isolierung, nur Aserbaidschan unterstützt sie in Sachen Armenier. Der jüngste Krieg zwischen Baku und Jerewan, an dem sich Ankara mit Waffenlieferungen und der Entsendung von ihm ergebenen Freischaren aus Syrien beteiligt hat, brachte jedoch das Fass der amerikanischen Geduld mit seinem immer unzuverlässigeren Verbündeten Türkei zum Überlaufen.

Aber auch Russland, mit dem Erdogan unverhüllt liebäugelt, wurde von den türkischen Ambitionen und Interventionen in Trankaukasien verschreckt. Die Prognose, dass sich die Türkei nun nach der Armenier-Ohrfeige aus Wahington ganz Moskau zuwenden könnte, hat von russischer Seite ihre Grenzen. Das neu-orthodoxe Russland von Kirchgänger Vladimir Putin wird sich auch sonst schwer tun, seinem sonstigen Freund Erdogan in diesem Konflikt mit Joe Biden gerade in Sachen armenische Christen beizustehen.