Thema „Kommunion“ auch in Berlin und Wien

Deutsche und österreichische Metropolis gehen verschiedene Wege

 

Von Heinz Gstrein

Die orthodoxe Tradition der Kommunion von Brot und Wein aus demselben Kelch mit einem vergoldeten Löffel wird seit Auftreten des Corona-Virus nicht nur in Griechenland hygienisch hinterfragt. Sowohl die deutschen Länder wie Österreichs Bundesregierung haben Mitte Mai die Wiederzulassung von öffentlichen Gottesdiensten mit einer Beschränkung des Kommunionempfanges auf die zelebrierenden Geistlichen unter Ausschluss des Kirchenvolkes verbunden. Darauf reagierten die griechisch-orthodoxen Metropoliten von Deutschland und „Austria“ recht unterschiedlich.

Aus Bonn beklagt Metropolit Augustinos Lampardakis in einem Hirtenbrief, diesen „erzwungenen Ausschluss unserer Gläubigen von der Hl. Kommunion“. Es handle sich dabei um die „schrecklichste und schmerzlichste Massnahme“, zu der er im Verlauf seines vierzigjährigen kirchlichen Dienstes genötigt wurde. Unter Berufung auf den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. stellt Augustinos  fest, dass die provisorische Akzeptierung des Verbots öffentlicher gottesdienstlicher Handlungen durch unsere Kirche keinesfalls bedeute, dass sie Willens und auch nur bereit sei, das „lebendige Sakrament der Sakramente, die Göttliche Eucharistie, und die Art ihrer Spendung zur Diskussion zu stellen“.

Jetzt wurden aber fürs ganze deutsche Bundesgebiet Verfügungen erlassen, die eine Wiedereröffnungen der orthodoxen Kirchen mit Einmischung in die herkömmliche Art und Weise des Kommunionempfanges mit dem „heiligen Löffelchen“ verbinden. Daraus zieht Metropolit Augustinos die schwerwiegende Konsequenz, kirchlicherseits auf die Spendung des Altarsakraments an die Gläubigen ganz zu verzichten.

Einen anderen Weg geht in Wien Metropolit Arsenios Kardamakis. Angesichts der Tatsache, dass sich die „Löffelkommunion“ in der Orthodoxie erst im zweiten christlichen Jahrtausend durchgesetzt hat, greift er auf eine frühere Art von Darreichung der eucharistischen Gaben zurück, die jetzt den Vorgaben von staatlicher Seite entspricht. Es handelt sich um die Jakobus-Liturgie des alten Jerusalem, die aber später vom heute gesamtorthodoxen Konstantinopler Ritus verdrängt wurde. Zuvor wurden Brot und Wein in Jerusalem getrennt konsekriert, darauf ein Brotwürfel mit Wein benetzt und den Kommunizierenden in den Mund gelegt. Wie Metropolit Arsenios in seiner diesbezüglichen Enzyklika unterstreicht, handelt es sich dabei um keine „Neuerung“, sondern die Rückkehr zu einer altkirchlichen Praxis. Die Spendung des Altarsakaraments mit einem Löffel sei keineswegs die ausschließlich „orthodoxe“ Tradition.

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