In den USA weiter Corona-Kontroverse um Kommunionspendung

VON Heinz Gstrein                                                  

New York/Chambésy/Phanar. In der orthodoxen US-Diaspora geht die Auseinandersetzung über die Art der Eucharistie-Spendung unter beiden Gestalten auch nach dem diesbezüglichen Beschluss des Konstantinopler Synods von Ende Juni in Chambésy weiter. Dessen Entscheidung über mögliche hygienische Rücksichtnahmen in Anbetracht staatlicher Corona-Vorschriften und das mit Billigung des Ökumenischen Patriarchats war durch Erzbischof Elpidoforos Lambriniadis von Amerika als Bejahung der von ihm angeordneten Verwendung von mehreren anstelle eines einzigen Kommunionlöffels begrüßt worden (öki 27 vom 30. Juni 2020). Inzwischen macht aber eine mehrdeutige Zusatzerklärung vom 26. Juni aus dem Phanar fraglich, ob die Verwendung von mehreren Löffelchen unter die genannten „Rücksichtnahmen“ fällt oder nicht. In den USA interpretieren jedenfalls konservative Verfechter ein und desselben „Heiligen Löffels“ diese Unklarheit in ihrem Sinn als „demütigende Zurechtweisung“ für den Erzbischof in New York. Zum Wortführer dieser Stimmen hat sich der Pressedienst „The Orthodox World“ gemacht, der den Anspruch erhebt, „die vollständigste Website zur Orthodoxie“ zu sein – was immerhin für die USA zutreffen dürfte. Auch dort jedoch nur im Sinn ultra-orthodoxer Kreise, die über Jurisdiktionsschranken hinweg das Erbe des russisch-amerikanischen Mönchstheologen Seraphim Rose (1934-1982) vereint. Sein Biograph und Herausgeber in Griechenland ist jener Priestermönch Damaskinos vom Berg Athos, der zuletzt auch in der australischen orthodoxen Diaspora Zwietracht sät und vom Synod in Chambésy mit sechsmonatigem Zelebrationsverbot belegt wurde (vgl. öki 27). In den USA gehören laut „The Orthodox World“ die einflussreichen griechischen Metropoliten von New Jersey, Chikago und Atlanta zu den Gegnern der „Mehr-Löffel-Spendung“ und von Elpidoforos überhaupt. Gegen den Erzbischof stünden in dieser und anderen Fragen auch viele Priester, die sich aber vor den Folgen einer öffentlichen Stellungnahme für sie fürchteten. Allgemein seien ein Großteil des Klerus und die meisten führenden Laien der USA in Opposition zu dem erst vor einem Jahr eingesetzten neuen Erzbischof Elpidoforos gegangen. Über diese lange Liste aktueller kritischer Stimmen hinaus hat „The Orthodox World“ auch die Stellungnahme eines früheren griechisch-orthodoxen Oberhirten von Amerika ausgegraben: Erzbischof Michail Konstantinidis (1949-1958) hatte 1953 in einem Schreiben die Ansicht vertreten, dass die Realpräsenz von Christi Fleisch und Blut jeden Krankheitskeim unwirksam mache und daher eine Ansteckung mit demselben, von Mund zu Mund gereichten Kommunionlöffel ausschließe. Er könne das selbst als früherer Seelsorger im Athener Tuberkulose-Spital „Sotiria“ (Rettung) bestätigen. Im Folgenden vertrat Konstantinidis die Auffassung, dass allerdings „unwürdiger“ Kommunionempfang ohne vorheriges Fasten, Beichte oder zumindest Reue Krankheiten auslösen und sogar zum Tod führen könne.

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